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ImageDie Fußballfans erlebten am 19.11. vor den Fernsehern sicher einen enttäuschenden Abend. Begeistert dagegen waren Freunde und Sammler Wächtersbacher Keramik von dem, was Volker Kirchner (Brachttal-Hellstein) zur gleichen Zeit mit seinem Vortrag über Leben und Wirken bekannter Künstler der Schlierbacher Fabrik zu berichten wusste. Der Heimat- und Geschichtsverein konnte zu diesem Referat etwa 60 Interessenten im Gartensaal am Wächtersbacher Schloss begrüßen, dessen künstlerische Ausgestaltung und besondere Atmosphäre zu diesem Ereignis den passenden Rahmen bot.

Der Zeichner und Designer Christian Neureuther, Carl Bull als Modelleur und Fotograf sowie Anni Offterdinger als Schöpferin einzigartiger Modefiguren, waren zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts für die Wächtersbacher Steingutfabrik tätig. Der Referent erweckte sie mit seinen Ausführungen und vor allem auch mit einer Fülle historischer Fotos sozusagen wieder zum Leben, wusste dabei manche Episode und Anekdote aus der Werks- und Ortsgeschichte mit einzuflechten und zeigte natürlich auch im Bild zahlreiche Schöpfungen dieser drei herausragenden Persönlichkeiten. Auch die Verbindungen des Schlierbacher Werks mit Töpfern in Wittgenborn und entsprechende Zusammenarbeit kamen zur Sprache sowie das Wächtersbacher "Bräustübl" am Obertor, dessen Gasträume seinerzeit von Christian Neureuther großflächig ausgemalt wurden. All diese umfang-reichen Informationen hier wiederzugeben ist leider nicht möglich. Den Vortragstext mit allen Abbildungen hat Volker Kirchner aber in einer ansprechend gestalteten Broschüre zusammengefasst, die von ihm zum Preis von EUR 20,-- bezogen werden kann. Sie ist ein Gewinn für jede Sammler-Bibliothek.

Imageüber 100 Gäste zeigten sich begeistert von zwei Vorträgen, zu denen der Verein am 29.10. in die Aula der Friedrich-August-Genth-Schule eingeladen hatte. Zunächst widmete sich der Vereinsvorsitzende Gerhard Jahn der Unwetterkatastrophe vom 1. August 1958, die vor nunmehr 50 Jahren unerwartet über die Region hereinbrach und in der Stadt, besonders aber im Büdinger Wald erhebliche Schäden verursachte. Mit 50 zum Teil spektakulären Fotos, dazu Wetterkarten, Grafiken und Augenzeugenberichten gab er einen überblick zu diesem dramatischen Ereigniss. Ein Gewittersturm der Windstärke 12 hinterließ im Wald breite Schneisen entwurzelter, abgeknickter oder abgedrehter Bäume. In der Stadt wurden Dächer abgedeckt, die schönen alten Linden am Lindenplatz umgeworfen, der Schlosspark arg verwüstet. Dabei stürzten mächtige Bäume auf das Pförtnerhaus (heute Verkehrsbüro) und die benachbarten Häuser. Die Poststraße wandelte sich zu einem reißenden Fluss. Die Wassermassen strömten bergab zum Bahnhof, stauten sich an dessen Eingangstreppe und flossen schließlich durch die Schalterhalle auf die Schienen. Das große Zelt, das der Fußballverein Germania 08 anlässlich seines 50jährigen Bestehens am damaligen Festplatz gegenüber dem Bahnhof errichtet hatte, wurde vollständig zerstört und seine Fetzen weithin verstreut. Der Sturm war so stark, dass er zwei mit Containern beladene Güterwagen aus dem Bahnhof über den früheren Bahnübergang nach Osten trieb, wo sie schließlich aus den Schienen sprangen und umkippten. Der Referent berichtete auch von eigenen Erlebnissen dieses Tages in Salmünster. Dort stürzte der Doppelturm der evangelischen Kirche auf die Straße und auch ihr Dach wurde schwer beschädigt. Die nur etwa 200 m entfernte katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul dagegen blieb völlig unversehrt. Für manchen Christenmenschen der Stadt war damit klar, wo der wahre Glaube zu Hause ist! Dies Argument konnte Gerhard Jahn aber zum Schluss entkräften, in dem er ein Bild des zerstörten Dachstuhls des katholischen Pfarrhauses in Bernbach zeigte und damit deutlich wurde, dass der Sturm doch keine Konfession verschonte!

Der zweite Vortrag des Abends stand unter dem Motto "Damals in Wächtersbach €“ Bilder aus der guten alten Zeit". Bernd Schäfer, Fachbeirat des Vereins für Bilddokumentation, führte die Gäste mit vielen historischen Fotos durch die Gassen und Winkel der Altstadt, stellte dabei auch einige der "alten Wächtersbacher" vor, sowie Berufe und Tätigkeiten, die heute bereits fast vergessen sind. So trieb z.B. ein Schäfer seine große Herde unbehelligt über die Kreuzung Postraße/Bleichgartenstraße, damals eine Selbstverständlichkeit, bei heutigem Verkehr ein unglaublicher Vorgang! Auch begegnete man in der Altstadt dem vom fürstlichen Esel gezogenen Wägelchen mit seinem Kutscher. Wer könnte in unseren Tagen am Herzgraben noch auf offener Straße Holz hacken? €“ Damals kein Problem, wie ein besonders schönes Foto zweier fleißiger Anwohnerinnen zeigte. Früher begannen Beerdigungen noch am Haus des dort aufgebahrten Verstorbenen. Der pferdebespannte Leichenwagen führte den Trauerzug an, der sich mit dem Pfarrer durch die Gassen zum Friedhof bewegte. So manches Haus der Altstadt musste inzwischen den heutigen Verkehrserfordernissen weichen. All das zeigte Bernd Schäfer im Bild und wusste dabei auch viel Wissenswertes aus der Wächtersbacher Geschichte und manche Anekdote einzufügen. So wurde der Vortragsabend für die Gäste des Vereins sicher zu einem unvergesslichen Erlebnis.

ImageAuch in diesem Jahr zeigte sich Petrus den Wächtersbacher Geschichtsfreunden wieder wohlgesonnen und so war eine wichtige Voraussetzung gegeben, am 28.9. einen informativen, aber auch gemütlichen Ausflug zu erleben. Das Ziel der Tagesfahrt war zwar die Automobilstadt Rüsselsheim, aber nicht etwa die hier heimische KFZ-Fertigung stand auf dem Besichtungsprogramm, sondern einige bemerkenswerte historische Besonderheiten. Wer kannte bisher schon die Festung Rüsselsheim mit ihrem außergewöhnlichen Museum? Zwei sachkundige Damen führten ihre Gäste am Vormittag durch die imposanten Befestigungsanlagen und berichteten über deren wechselvolle Geschichte.


Die Festung Rüsselsheim hat ihren Ursprung in einem erstmals als "festes Haus" der Grafen von Katzenelnbogen 1399 urkundlich erwähnten Gebäude. Sie entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einer von vier hessischen Landesfestungen. Trotz der Sprengungen durch französische Truppen im Jahre 1689 beeindruckt die Anlage am Main auch heute noch durch ihre mächtigen Wälle, Eckrondelle und den Festungsgraben. Im Inneren der fast rechteckigen Anlage entstand in den historischen Gebäuden ein besonderes Museum, das sogar 1980 vom Europarat ausgezeichnet wurde. Es verband als erstes Museum der Bundesrepublik die Geschichte der städtischen Industrialisierung mit Sozial- und Kulturgeschichte. Natürlich wird hier auch die Entwicklung der die Stadt prägenden Opel-Werke eingehend dargestellt, von der ursprünglichen Fahrrad- und Nähmaschinenfertigung bis hin zu den modernen Fahrzeugen unserer Tage. über drei Stockwerke hinweg erstreckt sich die thematisch wohlgeordnete Ausstellung mit einer ungewöhnlichen Vielzahl hervorragender Exponate, beginnend mit steinzeitlichen Funden bis hin zu Großmaschinen des Industriezeitalters. Viele Karten, Dokumente und Grafiken bieten lückenlose Informationen. Im Keller des Gebäudes widmet sich eine Ausstellung speziell der Festungsgeschichte. Besonderer "Gag" war hier der in einer nachgebildeten Wachstube auf einem Feldbett schnarchend-schlafende Wächter.


Nach der Mittagspause folgte dann eine Führung durch den Verna-Park. Der romantische Stadtpark im Stil englischer Landschaftsgärten entstand im 18. Jahrhundert durch Freifrau Wilhelmine von Verna. 1911 verkauften ihre Erben diesen bis dahin nur privat genutzten Park an die Stadt, die ihn nun der öffentlichkeit zugänglich machte. Man war allgemein überrascht, was es hier alles zu sehen gab, wobei Pavillons, die Eremitage, ein mit Muschelkalk verkleideter Obelisk sowie eine künstliche Burgruine mit der hinter einem Torbogen gestalteten Illusionsmalerei besonderes Interesse fand. Dies alles eingebettet in Blumenrabatte, Wasserflächen und imposante Bäume im herbstlich leuchtenden Blätterschmuck €“ ideal zum Spazieren, Entspannen und Träumen. Wie schon in der Festung wussten die beiden Führerinnen auch hier zu jedem Detail spannende Geschichten zu erzählen, und so verging die Zeit wie im Fluge.


Der restliche Nachmittag wurde individuell genutzt, z.B. zum Bummel am Mainufer, zum Besuch der Foto-Ausstellung über Romy Schneider in den historischen Opel-Villen und natürlich auch zum gemütlichem Ausruhen in den Cafes der Stadt, ehe es dann mit dem von "Seppl" Jung souverän gesteuerten Bus zurück nach Wächtersbach ging. Wieder einmal hat man Heimatgeschichte "hautnah" erlebt und so Mancher wird sicher nicht zum letzten Mal in Rüsselsheim gewesen sein!

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ImageNach jahrelanger Aufbauarbeit konnte der Heimat- und Geschichtsverein in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung nunmehr den "Steinegarten", einen bemerkenswerten und kreisweit einmaligen erdgeschichtlichen Lehrpfad fertig stellen. Am 3. September kamen zur Einweihungsfeier zahlreiche Gäste zur Anlage vor dem Rathaus an der Main-Kinzig-Straße. Witterungsbedingt wurde der offizielle Teil der Veranstaltung ins Restaurant des Bürgerhauses verlegt, wobei Bürgermeister Krätschmer, Vereinsvorsitzender Gerhard Jahn, Horst Müller-Bass, der Leiter des Dezernats für Kultur und Sport des Main-Kinzig-Kreises, sowie Reinhard Hauck als Vertreter der VR-Bank Main-Kinzig und Jürgen Steigerwald von der Kreissparkasse Gelnhausen in kurzen Ansprachen die geleistete Arbeit würdigten, den hierbei zahlreich Beteiligten dankten und auf die Bedeutung der Anlage für das kulturelle Leben der Stadt hinwiesen.

Anschließend führte ein Spaziergang im Steinegarten die Gäste durch etwa 400 Millionen Jahre Erdgeschichte unserer Region zwischen Vogelsberg, Spessart und Rhön, die hier durch 27 zum Teil mächtige Felsblöcke anschaulich dargestellt wird. Alle wichtigen Gesteinsarten unserer Heimat sind hier in unterschiedlichen Ausbildungen zu sehen, so z.B. Buntsandstein, Basalt, Muschelkalk, Rotliegendes, Quarzit, Zechstein-Dolomit und Gesteine des Kristallinen Vorspessarts. Hinweisschilder an jedem Objekt geben Auskunft über dessen Entstehung, Fundort und Alter; dazu bietet eine Info-Tafel einen allgemeinen überblick über den Ablauf der Erdgeschichte und zeigt an Hand einiger Rekonstruktionen urzeitlicher Landschaften, wie es vor Jahrmillionen hier bei uns ausgesehen hat. Allen Freunden der Natur und der Heimatgeschichte, besonders aber auch Schulklassen bieten sich hier einmalige Informations- und Unterrichtsmöglichkeiten. Der Regen hielt die Besucher nicht davon ab, an Ort und Stelle ausführlich über das Gehörte und Gesehene zu diskutieren und man war allgemein der Auffassung, dass sich der Wächtersbacher Steinegarten zu einem weiteren wichtigen Anziehungspunkt der Stadt entwickeln wird.

Der traditionelle "Besuch beim Nachbarn" führte den Heimat- und Geschichtsverein Wächtersbach in diesem Jahr nach Büdingen, um Besonderheiten der ysenburgischen Residenz kennen zu lernen und sich auch einige Museen anzusehen, die sich speziellen Themen widmen. Der Vorstand konnte Vereinsmitglied Dr. Klaus-Peter Decker als Referenten gewinnen, einen der wohl besten Kenner der Büdinger Vergangenheit. Er begleitete am 15.6. seine 35 Gäste zunächst durch den Zwinger mit seinem reizvollen "Garten Kölsch" sowie die Altstadt bis zum Marktplatz. Anschließend ging es durch das "Jerusalemer Tor", entlang der mächtigen Befestigungsanlagen, hinauf zum "Großen Bollwerk". Im Inneren dieses imposanten Bauwerks mit seinen auf drei Stockwerken angelegten Geschützpforten bewältigte man tapfer die engen und steilen Stiegen hinauf bis zum Gewölbedach. Hier bot sich über dessen Zinnen hinweg ein herrlicher Blick über die Stadt, deren mittelalterlicher Charakter überall deutlich zu erkennen war. Schloss, Marienkirche, Stadtmauer und die vielfältigen Dächer historischer Bürgerhäuser boten ein besonderes Panorama, das dem Besucher sonst beim üblichen Bummel durch die Altstadtgassen verborgen bleibt. Auch der "Wilde Stein", ein markanter und geheimnisvoller Basaltfelsen am Berghang im Süden der Stadt, war von hier aus deutlich zu erkennen. über einen Verbindungsgang gelangte man auf den nahen Hexenturm und blickte durch eine vergitterte öffnung hinab in ein dunkles Verlies. Hier vegetierten einst die Gefangenen in Erwartung ihres Prozesses oder ihrer Bestrafung, während die Wachen oben auf der Turmkuppel die Zeit ihres sicher langweiligen Dienstes u.a. mit Mühle-Spiel ausfüllten. So sind noch heute auf den Sandsteinplatten einige dort eingravierte Spielfelder zu erkennen.

ImageDas Heimatmuseum zeigt in diesem Jahr eine Sonderausstellung zum Thema „100 Jahre Katholische Kirche in Wächtersbach“

Es werden zahlreiche Exponate, Fotos und Dokumente zur Geschichte der 1907 erbauten Kapelle „Mariä Himmelfahrt“ gezeigt, so u.a. das Harmonium, eine Glocke und einige Leuchter aus Wächtersbacher Keramik, die seinerzeit speziell für den Innenraum und dessen Kronleuchter in der Schlierbacher Fabrik hergestellt wurden. Eine Erweiterung des Gotteshauses erfolgte 1950; schließlich musste es 1969 einem Neubau weichen. Auch hierzu zeigen viele Fotos das Geschehen in jener Zeit. Dazu wird in der Ausstellung das Leben und Wirken des beliebten Pfarrers Nikolaus Bauer eingehend gewürdigt. Er leitete die Gemeinde von 1946 bis 1986.

Die Ausstellung wird hervorragend ergänzt durch eine Vielzahl von Kruzifixen aus zwei Jahrhunderten sowie durch zahlreiche Abbildungen und Beschreibungen besonders eindrucksvoller historischer Grabsteine aus der Region. Diese Exponate sind Leihgaben von Heinz Hausmann aus Aufenau, der auch maßgeblich am Aufbau der Präsentation mitgewirkt hat.

Viele weitere sakrale Gegenstände sind ebenfalls zu sehen, so z.B. ein altes Wegekreuz, ein Hausaltar, mehrere Ikonen und auch die Kopie eines Ausschnittes des bekannten Gemäldes der Sixtinischen Madonna. Es wurde von der fürstlichen Familie 1907 zur Einweihung der Kirche gestiftet.

Seit Jahren werden im Heimatmuseum bereits vier große Fenster der ursprünglichen Kapelle ausgestellt, die beim Abriss vor der Vernichtung bewahrt werden konnten. Sie zeigen hervorragende Glasmalereien mit Darstellung bekannter Heiliger.

Die Sonderausstellung ist zu den bekannten öffnungszeiten des Museums (jeweils am 1. Sonntag im Monat von 14-17 Uhr) zu sehen, dazu auch zum Altstadtfest am 14.9., zum Herbstmarkt am 19.10 und letztmals zum Weihnachtsmarkt am 29.11.2008. Sondertermine für Gruppenführungen können auch außerhalb dieser Termine individuell mit Museumsleiter Kurt Schuh vereinbart werden (Telefon: 06053/2574).

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"Glück auf" - Der Heimat- und Geschichtsverein Wächtersbach erkundete den historischen Braunkohlenbergbau bei Wittgenborn

Image"Schätze im Heimatboden" €“ so lautete das Motto der Wanderung am 17.5. Aber nicht etwa Gold oder Silber galt es zu entdecken, sondern u.a. die wenigen Spuren, die noch heute von der Existenz der Bergwerke "Winterfreude" und "Maria" im Grün des Waldes künden. Braunkohlen, aber auch Basalt, Buntsandstein, Kalk, Ton und Quarzsand €“ das waren die eigentlichen Schätze, die mit Gewinnung und Verarbeitung vielen unserer Vorfahren der ländlichen Region Arbeit und Brot boten. Das unbeständige Wetter war wohl die Ursache dafür, dass an dieser Exkursion ledig1ich 15 Heimatfreunde teilnahmen, die dann nicht nur von Gerhard Jahn begrüßt wurden, sondern auch von einem kräftigen Regenschauer. So waren bis zur ersten Station der Wanderung die Regenschirme im Einsatz. Dann aber zeigte sich Petrus wohlgesonnen und unterstützte das Vorhaben bis zum Schluss mit Sonnenschein.

ImageZu einem spannenden und informativen Vortrag über den Dreißigjährigen Krieg konnte der Heimat- und Geschichtsverein am 16.4. in der Aula der Friedrich-August-Genth-Schule etwa 60 Gäste begrüßen. Erhard Bus, Historiker aus Bruchköbel, führte diese mit vielen hervorragenden Bildern, Landkarten und Dokumenten durch die langen Jahre eines erbarmungslosen Krieges, der wie kein anderer zuvor oder danach weite Landstriche Mitteleuropas verwüstete und schließlich dazu führte, dass etwa 40 % der deutschen Bevölkerung ums Leben kam. Ursachen dieser Katastrophe waren nicht nur die religiös-konfessionellen Gegensätze zwischen Katholiken und Protestanten seit Beginn der durch Martin Luther etwa 100 Jahre zuvor ausgelösten Reformation, sondern wesentlich auch durch machtpolitisches Streben der Großmächte wie Frankreich, Dänemark und Schweden um Erweiterung ihrer Territorien. Auch die Reichsstände und der Adel bemühten sich um Ausbau ihres Einflusses und ihrer Selbständigkeit gegenüber dem Habsburger Kaiser.

Mittwoch, 30. Januar 2008, 20:00 Uhr, Aula im Neubau der Friedrich-August-Genth-Schule:

Zwei Dia-Vorträge von Gerhard Jahn

Image1) „Eine hessische Herrschaft in Holstein“

Die Hessen in Holstein – wieso und warum? Dies ist die Geschichte: Prinz Friedrich Karl von Hessen-Kassel heiratet Ulrika Eleonora, eine Schwester des schwedischen Königs Karl XII. König Karl stirbt früh, die Schwester wird Königin, verzichtet aber zu Gunsten ihres Mannes auf den Thron. Und schon ist der Hessenprinz und spätere Landgraf ab 1720 unversehens auch schwedischer König Frederik I. Die Ehe bleibt kinderlos. Frederik tröstet sich mit einer jungen Hofdame. Zur Versorgung zweier aus dieser Verbindung hervorgegangener Söhne kaufte er das holsteinische Gut Panker. Der Vortrag behandelt diese interessante Episode, führt durch die noch heute dort bestehende hessische Herrschaft und zeigt auf, dass eine „Ehe zur linken Hand“, wie sie Frederik praktizierte, im Hause Hessen-Kassel nicht unüblich war. Dies hatte später auch Auswirkungen auf Ysenburg, die ebenfalls zur Sprache kommen.

2) „Der schiefste Kirchturm der Welt steht nicht in Pisa“

Wie die Presse vor einigen Wochen ausführlich berichtete, gebührt dieser Titel dem Turm einer kleinen Dorfkirche in Ostfriesland. Der Kurzvortrag stellt dieses bemerkenswerte Bauwerk und seine Geschichte vor, dazu auch einige seiner „Kollegen“ in unserer Region.

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Image„Steinau ist ein besonderer Ort. Lauter hübsche Mädchen machen seine Zierde.“ So vermerkt ein anonym gebliebener Reisender, der im Jahre 1797 mit der Postkutsche von Frankfurt/M. nach Rudolstadt in Thüringen reiste und eine interessante Beschreibung seiner Erlebnisse hinterließ. Darin ist aber nicht nur Positives festgehalten, sondern auch so manche Klage über schlechte Wegstrecken. So liest man z.B. über den Straßenabschnitt von Langenselbold in Richtung Gelnhausen: „..um in den allerinfamsten Weg zu kommen, der nur zu finden ist. Galeerenarbeit ist leichter, glaube ich, als hier sich schütteln zu lassen. Der Graf von Ysenburg-Meerholz ist derjenige, der sich hier so bequem Chausseegeld für einen Weg geben lässt, wo er wahrlich noch den Reisenden bezahlen sollte, nur dass er sein Land besuche. Dergleichen Herrn müssen entweder Geizhälse sein, oder nicht aus dem Lehnsessel kommen, sonst wahrlich würden sie nicht so hartherzig gegen alle Glieder der Reisenden sein...“