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Mittwoch, 28. Januar 2015, 20:00 Uhr, Aula der Friedrich-August-Genth-Schule:

Der große Streik in der Wächtersbacher Steingutfabrik

Lichtbildervortrag von Volker Kirchner, Wächtersbach

Der Vortrag von Volker Kirchner bietet eine hervorragende Ergänzung zu seinem hier vor zwei Jahren gehaltenen Vortrag über 180 Jahre Geschichte der Wächtersbacher Steingutfabrik. Bei seiner neuen Präsentation geht es nun speziell um die Ereignisse der Jahre 1903 und 1904, ein wichtiger Abschnitt in der Geschichte des Werkes: Den großen Streik! Groß war er, weil es zwanzig Jahre später noch einen kleinen gab. Als groß gilt dieser neunmonatige Arbeitskampf aber vor allem wegen seiner gravierenden Auswirkungen auf die Region und deren Bewohner.

1903 richtete die Fabrikdirektion das „Keramische Atelier Wächtersbach Christian Neureuther" ein und suchte für diese kunstgewerbliche Abteilung vier Maler. Bedingung war, dass die Bewerber dem Berliner Porzellanarbeiterverband nicht angehören durften. Diese Forderung empörte die Belegschaft. Ein turbulenter Arbeitskampf brach aus, der mit kompromissloser Härte geführt wurde. Er zerstörte Existenzen und forderte Menschenleben. Die Presse berichtete reichsweit.

Volker Kirchner wird seine Zuhörer mit zahlreichen Bildern spannend und informativ über diese Ereignisse informieren und damit einen wertvollen Beitrag zur regionalen Industriegeschichte bieten.

Auch Nichtmitglieder sind herzlich willkommen, der Eintritt ist frei.

Interessanter Abendspaziergang des Heimat- und Geschichtsvereins

Foto von Otmar KremerZum Glück war das am Nachmittag des 23.5. drohende Gewitter bereits wieder abgezo-gen, als die über 30 Geschichtsinteressierte um 18 Uhr bei herrlichem Sonnenschein am Schlosspark starteten, um die zumeist versteckten Besonderheiten des Waldgebietes nördlich der Stadt kennen zu lernen. Dabei wurden zunächst Ginkgobaum, Eiskeller und Mammutbäume von Wanderführer Gerhard Jahn vorgestellt und erläutert, ehe es den Teufelsgraben aufwärts zu den Distrikten „Webersgraben“ und „Kleine Tanne“ ging.

Dabei führte ein Abstecher durch einen von dichter Vegetation bewachsenen Waldweg zur Kinderschulswiese, einem einstigen Festplatz der Wächtersbacher Schulkinder und Vereine, die hier manch frohe Stunde verbrachten. Für viele unvergessen sind z.B. die Feiern zum 1. Mai, die der Turnverein vor nicht allzu langer Zeit hier noch regelmäßig veranstaltete. Früher gab es dort auch eine Kegelbahn und bis in die dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts sogar einen Schießstand mit Schützenhaus. Die betreffenden Standorte konnte man im Waldboden noch gut erkennen. Fürst Friedrich Wilhelm war hier bis zu seinem Tod 1933 großzügiger Unterstützer und die frühere Bedeutung des Platzes erkennt man noch heute an einem eindrucksvollen Denkmal für den Wächtersba-cher Adeligen, gefertigt aus heimischem Buntsandstein mit entsprechender Inschrift und dem Wappen der Ysenburger.

Auch erdgeschichtliche Themen kamen während des Spaziergangs zur Sprache, so die Entstehung des Buntsandsteins, die vor ca. 250 Millionen Jahren begann, die unter-schiedliche Zusammensetzung seiner Schichten, dazu Funde von Versteinerungen der einstigen Lebewelt. Auf der Höhe über dem Dietrichsberg angekommen, kreuzte man die frühere Trasse der Seilbahn, die bis 1926 Braunkohlen von der Grube „Winterfreude“ südlich von Wittgenborn bis hinab zur Bahnverladung östlich der Stadt transportierte. Gerhard Jahn konnte deren Verlauf, dazu die umfangreichen Anlagen des Betriebs an Hand historischer Fotos verdeutlichen – wichtige Zeugen der Wächtersbacher Industrie-geschichte. Nachdem man auf dem nun talwärts führenden Weg den wohl größten Fels-block auf Wächtersbacher Gebiet bewundern konnte, einen Buntsandstein im Gewicht von ca. 12-15 Tonnen, stand man wenig später auf der Höhe am Ostrand der Stadt und genoss die herrliche Aussicht über Bracht- und Kinzigtal bis hinüber zu den Spessarthö-hen mit den markanten Gipfeln der Großen Kuppe und des Eisenbergs. Hier erfuhren die Wanderer auch Wissenswertes über die Entstehung des Kinzigtals und das Eiszeitalter, das für die Ausbildung der heutigen Landschaft im Wesentlichen verantwortlich ist. Rechtzeitig zum Einbruch der Dämmerung kam die Gruppe dann zum Lindenplatz zurück und man war sich einig, interessante und informative Stunden erlebt zu haben.

(Foto von Otmar Kremer)



Auch in diesem Jahr präsentierte sich diese Versammlung wieder als „Bunter Abend“, denn es wurde nicht nur das gesetzlich vorgeschriebene Programm abgewickelt, sondern die anwesenden 47 Mitglieder auch mit einem Unterhaltungsprogramm für ihr Kommen belohnt. Als Vertreter der Stadtverwaltung konnte Stadtrat Klaus Schulz begrüßt werden.

Nach dem Gedenken an die im Berichtszeitraum verstorbenen Mitglieder standen die Rechenschaftsberichte des Vorstands für das Vereinsjahr 2011 im Vordergrund. Der langjährige 2. Vorsitzende und Schriftleiter der „Sammlungen zur Geschichte von Wächtersbach, Dr. Jürgen Ackermann verabschiedete sich von der Vereinstätigkeit. Als sein Nachfolger im Amt des 2. Vorsitzenden wählte die Versammlung das Mitglied Dietmar Brinkmann. Nachdem Kassenprüfer Hans Karl Schaub eine ordnungsgemäße Buchführung und Vermögensverwaltung melden konnte, erfolgte einstimmig die Entlastung des Vorstandes. Die Vereinsführung setzt sich nun wie folgt zusammen. 1. Vorsitzender: Gerhard Jahn, 2. Vorsitzender: Dietmar Brinkmann, Kassenwart: Heinz Colonius, Schriftührer: Heiko Jahn, Beisitzer und Museumsleiter: Kurt Schuh, Beisitzerin für Archiv: Katja Döhn. Die Vorstandsarbeit unterstützen weiterhin die Fachbeiräte: Heike Horn, Bernd Schäfer und Otto Fiegler. Hans Karl Schaub wurde als Kassenprüfer für das Jahr 2012 wiedergewählt.

In diesem Jahr konnten zwei Mitglieder für 25 Jahre Treue zum Verein mit dem von der Wächtersbacher Keramik gefertigten Jubiläumsteller geehrt werden: Siegbert Remmel und Ottokar Raacke. Nach dem offiziellen Teil der Versammlung bot der 1. Vorsitzende einen lustigen Vortrag mit dem Thema: „Vogelsberger Geschichten“. Danach erfolgte die schon traditionelle Verlosung heimatkundlich-heimatgeschichtlicher Bücher und Schriften. Der Abend schloss mit einer Dia-Schau von Bernd Schäfer. Er zeigte und erläuterte zahlreiche historische Aufnahmen aus unserer Stadt, die von lebhaften Kommentaren aus der Versammlung begleitet wurden.

 

Die Wächtersbacher auf dem Weg zum Glauberg-Plateau –  vorne rechts: Oskar Klöppel (l.) mit dem Vereinsvorsitzenden G. Jahn  Trotz schlechten Wetters folgten am 25. Juni 35 Interessenten der Einladung des Heimat- und Geschichtsvereins Wächtersbach zu einem Besuch des neuen Kelten-Museums am Glauberg in der Wetterau. Was in dem eindrucksvollen Gebäude aus Rost-Stahlplatten mit seinem gigantischen Panoramafenster alles in modern gestaltetem Ambiente zu sehen gab, ist mit Worten nur unvollkommen zu beschreiben, man muss es selbst gesehen haben! Nicht nur die inzwischen weithin bekannte, imposante Sandsteinfigur eines Keltenfürsten ist ausgestellt, sondern auch zahlreiche weitere Ausgrabungsfunde aus der Umgebung, z.B. herrlicher Goldschmuck, Bronzekannen und Waffen. Hervorragende Karten, Schautafeln und Erläuterungstexte führen die Besucher zurück in die Zeit vor etwa 2.500 Jahren, als die Kelten unsere Heimat besiedelten. Wenn man bedenkt, dass Wächtersbach in Luftlinie nur ca. 20 km vom Glauberg entfernt ist, kann man vermuten, dass die hiesige Bevölkerung sicherlich ebenfalls von dort aus regiert wurde. Der Blick vom Panoramafenster aus zum rekonstruierten Grabhügel, den Holz-Stelen eines Kalenderbauwerks, zur Prozessionsstraße und darüber hinaus weit ins Land war ein weiterer Höhepunkt des Museumsbesuchs.

Anschließend folgten die Wächtersbacher dem Glauberg-Experten Oskar Klöppel hinauf zum Plateau des Berges, der hier oben die vielfältigsten Spuren menschlicher Besiedlung über Jahrtausende hinweg aufweist. Von den auch heute noch imposanten Ringwällen keltischer Befestigungsanlagen bis hin zu den Fundamenten von Häusern und einer Burganlage aus der mittelalterlichen Stauferzeit erfuhr man viel Wissenswertes aus unserer Vergangenheit, wobei unser ortsansässiger Führer seine Erläuterungen mit Anekdoten und Bemerkungen zur Heimatkunde der Region anschaulich zu ergänzen wusste. Alle waren sich einig: Es war ein ganz besonderer Ausflug, der sicherlich lange in Erinnerung bleiben wird und wieder einmal gezeigt hat, wie spannend die Beschäftigung mit der Heimatgeschichte sein kann!

Der alter Vorstand ist der neue – Jahreshauptversammlung der Heimat- und Geschichtsvereins Wächtersbach e.V.

Auch in diesem Jahr präsentierte sich diese Versammlung wieder als „Bunter Abend“, denn es wurde nicht nur das gesetzlich vorgeschriebene Programm abgewickelt, sondern die anwesenden 58 Mitglieder auch mit einem Unterhaltungsprogramm für ihr Kommen belohnt.

Zunächst aber standen die Rechenschaftsberichte der Vorstandsmitglieder für das Vereinsjahr 2010 im Vordergrund. Nachdem Kassenprüfer Hans Karl Schaub eine ordnungsgemäße Buchführung und Vermögensverwaltung melden konnte, erfolgte einstimmig die Entlastung des Vorstandes und anschließend ebenso einstimmig dessen Neuwahl für die nächsten vier Jahre. Die Vereinsführung setzt sich weiterhin wie folgt zusammen. 1. Vorsitzender: Gerhard Jahn, 2. Vorsitzender und Schriftleiter der „Sammlungen zur Geschichte von Wächtersbach“: Dr. Jürgen Ackermann, Kassenwart: Heinz Colonius, Schriftührer: Heiko Jahn, Beisitzer und Museumsleiter: Kurt Schuh, Beisitzerin für Archiv: Katja Döhn. Die Vorstandsarbeit unterstützen weiterhin die Fachbeiräte: Heike Horn, Bernd Schäfer und Otto Fiegler. Hans Karl Schaub wurde als Kassenprüfer für das Jahr 2011 wiedergewählt.

Der 1. Vorsitzende wies in seiner Ansprache daraufhin, dass in den nächsten Jahren unbedingt ein Nachfolger/eine Nachfolgerin für ihn gefunden werden müsse, da er ab 2015 aus Altersgründen nicht mehr zur Verfügung stehe. Auch weitere Vorstandsmitglieder äußersten sich ähnlich, so dass gravierende Veränderungen im Vorstand und in der Vereinsarbeit unausweichlich sein werden. Gerhard Jahn bat die Versammlung eindringlich hier mitzuwirken, um geeignete Personen zu finden, denn das könne keinesfalls alleine die Aufgabe der jetzigen Amtsinhaber sein.

In diesem Jahr konnten folgende fünf Mitglieder für 25 Jahre Treue zum Verein mit dem von der Wächtersbacher Keramik gefertigten Ehrenteller geehrt werden: Johanna Boscheinen, Ilka Bube, Erika Schulzki, Reiner Niessen und die evangelische Kirchengemeinde. Nach dem offiziellen Teil der Versammlung erheiterte der 1. Vorsitzende die Gäste mit einem lustigen Vortrag. Sein Thema: „Vogelsberger Geschichten“. Danach erfolgte eine Verlosung heimatkundlich-heimatgeschichtlicher Bücher und Schriften. Der Abend schloss mit einer Dia-Schau von Bernd Schäfer. Er zeigte und erläuterte zahlreiche historische Aufnahmen aus unserer Stadt, die von lebhaften Kommentaren aus der Versammlung begleitet wurden.

Dass man sich an den Hesseldorfer Künstler in unserer Region noch recht gut erinnert, zeigte das große Intersse, das der vom Heimat- und Geschichtsverein am 13.10. angebotene Vortrag gefunden hat. Etwa 60 Besucher verfolgten in der Aula der Friedrich-August-Genth-Schule die Ausführungen von Annelie und Dr. Heimo Karsch aus Hildesheim, die mit zahlreichen historischen Fotos und Gemälde-Reproduktionen eine umfassende und überaus spannende Darstellung zum Leben und künstlerischen Schaffen Mülhardts boten.

Der Kontakt zu den beiden Referenten entstand im vergangenen Jahr, als der Verein mit Pressemeldungen nach Gemälden des Meisters suchte, um eine Dokumentation seiner Werke zu erstellen. Die Reaktion war sehr positv. Viele Bürgerinnen und Bürger, besonders aus Hesseldorf, meldeten sich und stellten ihre Schätze zum Fotografieren und Registrieren zur Verfügung. Besonders erfreulich war, dass sich auch Annelie Karsch aus Hildesheim meldete. Sie ist eine entfernte Verwandte Mülhardts (Enkelin der Schwester der dritten Ehefrau des Künstlers) und war zu dessen Lebzeiten sehr oft im charkateristischen Haus am Hang über Hesseldorf zu Besuch. Familie Dr. Karsch verfügt daher heute über eine große Zahl von Bildern und Zeichnungen Mülhardts, von denen sie eine schöne Auswahl bereits anläßlich des Vortrags präsentierte. Die ungewöhnliche Vielfalt seines Schaffens konnte mit dem Vortrag eindrucksvoll aufgezeigt werden. Beispiele finden sich zur Zeit auch noch in einer kleinen Mülhardt-Ausstellung im Schaufenster des Keramik-Museums. Aber auch im Heimatmuseum können einige bemerkenswerte Gemälde besichtigt werden, ebenso im Wächtersbacher Rathaus. Dort finden sich z.B. besonders schöne Kinder-Porträts, eine Spezialität des Meisters.

Der Heimat- und Geschichtsverein plant für das kommenden Jahr im Heimatmuseum eine Sonderausstellung, in der eine größere Zahl von Gemälden, Zeichnungen und Dokumenten aus dem Nachlass des Künstlers zu sehen sein wird. Hierzu hofft man auf weitere Mitarbeit der Bevölkerung, um evtl. weitere, bisher nicht bekannte Werke registrieren und fotografieren zu können, bzw. diese für einige Monate als Leihgabe zu erhalten. Kontakt: 1.Vorsitzender Gerhard Jahn, Telefon: 06053/2126.

ImageUnter diesem Motto bietet der Heimat- und Geschichtsverein Wächtersbach regelmäßig Besichtigungsfahrten zu heimatgeschichtlich interessanten Zielen in der Region an. Am Sonntag, 13.6. stand eine Fahrt nach Langenselbold auf dem Programm, um dort das Isenburgische Schloss sowie das Heimatmuseum kennen zu lernen.

Im Foyer des zu Beginn des 18. Jahrhunderts von den Landesherren zu Isenburg-Birstein erbauten Schlosses überraschte Johannes Badstübner, Leiter des Förderkreises Schloss Langenselbold e.V., seine 25 Gäste zunächst mit einem Begrüßungstrunk. Anschließend gab er einen überblick zur wechselvollen Geschichte der Schlossanlage, die unter der Regie des seit 15 Jahren sehr aktiven Förderkreises aus einem erbarmungswürdigen "Dornröschenschlaf" zu neuem Glanz geführt wurde. Bei einem Rundgang durch das Bauwerk wurde man eingehend mit den Schritten der sachgerechten Renovierung der einzelnen Räume und ihrer Einrichtung vertraut gemacht und konnte dabei wertvolle Seidentapeten, Kronleuchter und Stuckarbeiten bewundern, dazu als Glanzstücke zwei sehr wertvolle Gemälde des berühmten Malers Tischbein von Herrschern des Hauses Hessen-Kassel. Auch lustige Anekdoten über die einstige Bewohner des Schlosses wurden von Johannes Badstübner geboten, wobei den Wächtersbacher Geschichtsfreunden besonders Prinzessin Margarete ("Maggie") mit ihren kunsthistorischen Vorträgen im "Erbprinzen" noch bestens in Erinnerung ist. Auch ein Blick in das "Napoleon-Zimmer" durfte nicht fehlen. In diesem Raum übernachtete der Franzosenkaiser im Oktober 1813 auf dem Rückzug nach der Völkerschlacht bei Leipzig. Im Schlaf durch Bewegungen der Seidentapete plötzlich aufgeschreckt, hieb er bei der Abwehr eines vermeindlichen Angreifers mit seinem Degen auf den wertvollen Wandschmuck ein, der so arge Beschädigungen erlitt.

Der zweite Teil des Vormittags war dem Besuch des nahen Heimatmuseums gewidmet, das ab 1983 in Räumen im Bereich der ehemaligen isenburgischen Zehntscheune sowie der Remise eingerichtet wurde und vom Verein für Geschichte und Heimatkunde Langenselbold e.V. betreut wird. Der Vereinsvorsitzende Dr. Keil führte durch die Ausstellung und erläuterte die umfangreichen Exponate aus Vor- und Frühgeschichte sowie auch aus der jüngeren Vergangenheit. Das Museum befindet sich an geschichtsträchtigem Ort, denn hier wurde im 12. Jahrhundert das Kloster Selbold gegründet, das bis zum 16. Jahrhundert weithin große Bedeutung hatte und dann aufgelöst wurde. Reste von Säulen und Kapitellen der Klostergebäude konnten ebenso bewundert werden wie auch bedeutende regionale Funde aus der Bronzezeit und dem Mittelalter. Ein "Tante-Emma-Laden", eine Spielzeugsammlung mit sehenswerten Puppenhäusern sowie Werkstätten von Diamantschleifer, Sattler, Schmied, Schuster und Wagner boten Einblick in die Arbeitswelt unserer jüngeren Vergangenheit.

Auch dieser "Besuch beim Nachbarn" war wiederum eine hervorragende Gelegenheit, sich mit unserer Heimat besser vertraut zu machen. Dabei zeigt sich immer wieder, welche Schätze in unmittelbarer Nähe zu finden sind und ihrer Entdeckung harren. Der Heimat- und Geschichtsverein Wächtersbach wird daher auch künftig die Tradition solcher Ausflüge fortsetzen, zumal es an geeigneten Zielen nicht mangelt.

ImageAm 16.6. folgten 30 Interessenten der Einladung des Heimat- und Geschichtsvereins Wächtersbach zu einer erdgeschichtlich-heimatkundlichen Wanderung unter dem Motto "Wir besteigen die Große Kuppe".

Zentrales Thema der unter Leitung des Vereinsvorsitzenden Gerhard Jahn am Parkplatz am Aufenauer Berg startenden Exkursion war die Grenzziehung der hiesigen Kleinstaaten im 18. und 19. Jahrhundert, die sich auf dem Höhenrücken zwischen Aufenau, Bad Orb und Salmünster in einer Vielzahl unterschiedlichster Grenzsteine dokumentiert. An Hand einer historischen Karte zeigte der Referent den "Flickenteppich" dieser oft winzigen Herrschaftsbereiche, so. z.B. den der Herren von Forstmeister zu Gelnhausen. Sie regierten von 1365 bis 1787 einen Kleinstaat, der lediglich Aufenau, Neudorf und das inmitten der Kinzigaue liegende Kinzighausen umfasste. Auf einigen Grenzsteinen ist noch heute ihr Wappenzeichen, der Doppelhaken einer "Wolfsangel", zu erkennen. Es findet sich heute auch im Wächtersbacher Stadtwappen als Hinweis auf den Stadtteil Aufenau. Weitere Steine entlang des dort oben auf der Höhe angelegten Grenzsteinwanderwegs zeigen die Wappen und Symbole wesentlich mächtigerer Staatsgebilde, deren Territorien hier einst aneinander grenzten (Fürstbistum Fulda, Kurfürstentum Mainz, Königreich Bayern, Kurfürstentum Hessen-Kassel). Trotz ihres hohen Alters sind die Grenzsteine noch heute gültige Rechtsmarken- Sie stehen unter staatlichem Schutz und ihr Entfernen ist unter Strafe gestellt.

Aber nicht nur die jüngere Geschichte kam bei der dreistündigen Wanderung zur Sprache, sondern Gerhard Jahn führte auch weit zurück in die Tiefen der Erdgeschichte und erläuterte dabei an Hand der sich am Wegesrand zeigenden unterschiedlichen Buntsandsteinschichten deren Entstehung und allmählichen Aufbau vor etwa 240 Millionen Jahren. Informative Schautafeln unterstützten seine Ausführungen zu diesem Hauptgestein des Spessarts. Besondere Aufmerksamkeit fand die Präsentation des Bruchstücks eines jungsteinzeitlichen Reibsteins. Der Referent fand dieses seltene Artefakt durch Zufall auf einem Acker am Aufenauer Berg. Es wird zur Zeit von einem Experten aus Osthessen wissenschaftlich bearbeitet, der abschließend eine offizielle Fundmeldung vornehmen wird. Auch die Eintiefung der Täler von Kinzig und Orb im Verlauf des Eiszeitalters und das Werden des Vogelsbergs durch vulkanische Aktivitäten wurden unterwegs anschaulich erläutert. So belebte von Anfang bis zum Schluss eine Vielzahl interessanter Details die Wanderung, die auch über die "Großen Kuppe" (410,6 m) führte, wobei auf den letzten 200 m des Anstiegs ein Höhenunterschied von ca. 40 m bewältigt werden musste. Bei der ausgezeichneten Kondition der 30 "Gipfelstürmer" war dies aber kein Problem.

Bei herrlichem Wetter genoss man abschließend noch die schöne Aussicht auf Wächtersbach und die Kinzigaue, sowie die Höhen des Büdinger Waldes und das Brachttal, wobei sich €“ wenn auch nur schemenhaft €“ sogar die Herchenhainer Höhe im hohen Vogelsberg zu erkennen gab.

Knapp 50 interessierte Mitglieder und Freunde des Heimat- und Geschichtsvereins Wächtersbach e.V. trafen sich am 21. April an der Abwasseranlage des Abwasserverbandes Bracht am Wächtersbacher Industriegebiet. In seiner Eigenschaft als Verbandsvorsteher begrüßte Wilfried Wilhelm die Gäste, sprach kurz über die Bedeutung des Klärwerks und lieferte einige interessante Fakten. So war es für viele neu, dass allein diese Anlage einen Großteil des Stromverbrauchs aller öffentlichen Einrichtungen im Gebiet ausmacht.

ImageDer Geschäftsführer, Dipl.-Ing. Manfred Reich erläuterte zunächst am Eingang das Einzugsgebiet der Anlage und lieferte einige Eckdaten: Der Abwasserverband Bracht wurde 1975 von den Gemeinden Birstein, Brachttal und Wächtersbach gegründet, um die Abwasserableitung und Abwasserbehandlung des südlichen Vogelsbergs gemeinsam durchzuführen. Ab 1976 wurden die Kläranlage und Verbandssammler mit über 30 km Länge und 20 Regenentlastungsanlagen gebaut und 1981 in Betrieb genommen. 1992 kamen die Wächtersbacher Stadtteile Aufenau und einige Orte der Gemeinde Birstein dazu. Bis 1998 sind nun fast 60 km Sammlerleitung, 36 Regenrückhalte- und Entlastungsbecken sowie vier Pumpwerke angeschlossen.

Von den Regenüberlaufbecken ging es dann zunächst in das Verwaltungsgebäude, wo die Besucher an der großen Tafel einen überblick über die Funktionsweise der Anlage erhielten. Fachbegriffe wie Sandwaschanlage, Schlammeindickung und Belebung wurden anschaulich erläutert.

In 2001/02 wurde die gesamte Anlage saniert und auf den neuesten technischen Stand gebracht. Das Klärwerk erhielt eine gezielte Nährstoffelimination und eine weitergehende Behandlung des Klärschlamms.

Bei dem folgenden ausführlichen Rundgang durch alle Teile der Anlage wurden alle aufkommenden Fragen von Herrn Reich kompetent und sachkundig beantwortet. An der 2009 neu angeschafften Zentrifuge für die Schlammentwässerung endete der zweistündige Rundgang.

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