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Lichtbildervortrag von Dr. Jürgen Ackermann zur Geschichte der Wächtersbacher Brauerei

Immer wenn der Heimat- und Geschichtsverein Wächtersbach einen Vortrag zu speziellen Themen der Stadtgeschichte anbietet, kann er mit einem außergewöhnlich guten Besuch rechnen. So kamen am 28.2. wiederum etwa 180 interessiere Gäste in die Aula der Friedrich-August-Genth-Schule. Sie folgten mit großem Interesse den Ausführungen des Referenten zur Geschichte der Fürstlichen Brauerei Schloss Wächtersbach, die von zahlreichen historischen Fotos begleitet wurden.

ImageIn den folgenden Jahren wurden auch Abfüllanlagen, Gär- und Lagerkeller, Ladestraße und Expedition erweitert und modernisiert. Mit diesen erheblichen Investitionen konnte die Brauerei ihre Kapazität wesentlich verbessern. Betrug die Jahresproduktion z.B. im Jahre 1949 nur 2.000 hl,. so erreichte man in den 70er Jahren eine solche von etwa 70.000 hl. und 70 Mitarbeiter fanden Arbeit und Brot.

So sah man z.B. Innen- und Außenaufnahmen vom „Braustübl“ am Obertor, das als Brauereigaststätte von Fürst Friedrich Wilhelm nach übernahme der Firma im Jahre 1903 eingerichtet wurde, von den heute nicht mehr existenten Gebäuden des ehemaligen Hofgutes auf dem Brauereigelände und vom Bau des modernen Sudhauses auf dem „Rosenhügel“ gegenüber den Schloss (1959). Auch der spektakuläre Transport der neuen Sudpfanne per LKW vom Bahnhof durch die engen Straßen der Altstadt wurde mit mehreren Aufnahmen gezeigt. Der gewaltige Kessel konnte nur mit Mühe den Engpass am alten Rathaus passieren

In den 90er Jahren wurde dann die übermacht der Großbrauereien immer stärker und der Kampf der kleineren Unternehmen der Branche ums überleben verstärkte sich zusehends. Auch die Wächtersbacher Brauerei blieb von dieser Entwicklung nicht verschont und das Haus Ysenburg verkaufte schließlich im Jahre 2001 das gesamte operative Geschäft an die Würzburger Hofbräu. Am 19. September 2001 wurde letztmals in Wächtersbach Bier gebraut und per Tanklastzug zum Abfüllen nach Würzburg transportiert.

Im Besitz der Fürstlichen Brauerei Schloss Wächtersbach GmbH & Co. KG verblieben neben den Wasserrechten (Weiherquelle, Tiefbrunnen am Felsenkeller und am Bornrain) das Grundstück und die Gebäude, die heute z. T. an verschiedene Firmen vermietet sind. Die Würzburger Hofbräu pachtete die Lagerhallen und den Verladehof auf dem Gelände der vormaligen Schlossgärtnerei. Dort werden die nun nach Wächtersbacher Rezepturen in Würzburg gebrauten, abgefüllten und mit den bekannten Wächtersbacher Etiketten versehenen Biere durch 14 Mitarbeiter der Fürstlichen Brauerei Schloss Wächtersbach Vertriebs GmbH an den angestammten Kundenkreis ausgeliefert. So bleibt die Tradition in gewissem Umfang weiterhin gewahrt.

Sie begann im Jahre 1578, als der in Wächtersbach residierende Graf Wolfgang Ernst den Brauer Matthes Möller aus dem thüringischen Nordhausen einstellte. Dieser belieferte die Herrschaft im Schloss und auch deren Bedienstete. Bier war damals auch Teil der Besoldung der gräflichen Beamten, der Pfarrer und Schulmeister. Die Gerste und auch den Hopfen lieferte der Gutsverwalter. Der Straßenname „Hopfengarten“ im Westen der Stadt erinnert an den früheren Anbau dieser für die Bierbrauerei wichtigen Pflanze auch hier bei uns. Nach dieser ersten urkundlichen Erwähnung konnte man 1978 das 400jährige Bestehen der Wächtersbacher Brauerei festlich begehen. Zwischenzeitlich im Büdinger Archiv aufgefundene Unterlagen weisen sogar darauf hin, dass bereits 1521 in der Stadt Bier gebraut wurde.

Dr. Ackermann bereicherte seinen mit viel Beifall aufgenommenen Vortrag auch mit einer illustrierten Beschreibung der Bierherstellung, der dafür nötigen Geräte und Einrichtungen und den Bestandteilen des Getränks nach dem Reinheitsgebot von 1516.

Dem Vortrag schlossen sich zahlreiche Wortmeldungen aus dem Publikum an, die abschließend noch zu interessanten Diskussionen führten. So wurde auch der Vorschlag registriert, das nutzlos gewordene Sudhaus mit Sudpfanne und weiteren Einrichtungen zu einem Wächtersbacher Brauereimuseum zu gestalten, zumindest aber das Oberteil der mächtigen Sudpfanne in das Ortsbild zu integrieren. Es könnte z.B. als Dach eines Brunnens oder als Schmuck für die Mitte des neu geplanten Verkehrskreisels östlich des Bahnhofs dienen, bzw. den Eingang zum Messegelände zieren. Damit könnte die Erinnerung an Wächtersbach als uralte Stadt des Bieres dauerhaft bewahrt werden.

Vereinsvorsitzender Gerhard Jahn  lud die Gäste zu einer Besichtigung der Sonderausstellung im Heimatmuseum ein, die ebenfalls der Geschichte der Wächtersbacher Brauerei gewidmet ist und erstmals am Sonntag, 1. April geöffnet sein wird. Was da alles an Exponaten und Erinnerungsstücken zusammengetragen wurde, lässt sich mit wenigen Worten nicht beschreiben  - man sollte es sich unbedingt anschauen!