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Besuch beim Nachbarn

Unter diesem Motto bietet der Heimat- und Geschichtsverein Wächtersbach regelmäßig Besichtigungsfahrten zu heimatgeschichtlich interessanten Zielen in der Region an. Am Sonntag, 13.6. stand eine Fahrt nach Langenselbold auf dem Programm, um dort das Isenburgische Schloss sowie das Heimatmuseum kennen zu lernen.

Im Foyer des zu Beginn des 18. Jahrhunderts von den Landesherren zu Isenburg-Birstein erbauten Schlosses überraschte Johannes Badstübner, Leiter des Förderkreises Schloss Langenselbold e.V., seine 25 Gäste zunächst mit einem Begrüßungstrunk. Anschließend gab er einen Überblick zur wechselvollen Geschichte der Schlossanlage, die unter der Regie des seit 15 Jahren sehr aktiven Förderkreises aus einem erbarmungswürdigen „Dornröschenschlaf“ zu neuem Glanz geführt wurde. Bei einem Rundgang durch das Bauwerk wurde man eingehend mit den Schritten der sachgerechten Renovierung der einzelnen Räume und ihrer Einrichtung vertraut gemacht und konnte dabei wertvolle Seidentapeten, Kronleuchter und Stuckarbeiten bewundern, dazu als Glanzstücke zwei sehr wertvolle Gemälde des berühmten Malers Tischbein von Herrschern des Hauses Hessen-Kassel. Auch lustige Anekdoten über die einstige Bewohner des Schlosses wurden von Johannes Badstübner geboten, wobei den Wächtersbacher Geschichtsfreunden besonders Prinzessin Margarete („Maggie“) mit ihren kunsthistorischen Vorträgen im „Erbprinzen“ noch bestens in Erinnerung ist. Auch ein Blick in das „Napoleon-Zimmer“ durfte nicht fehlen. In diesem Raum übernachtete der Franzosenkaiser im Oktober 1813 auf dem Rückzug nach der Völkerschlacht bei Leipzig. Im Schlaf durch Bewegungen der Seidentapete plötzlich aufgeschreckt, hieb er bei der Abwehr eines vermeindlichen Angreifers mit seinem Degen auf den wertvollen Wandschmuck ein, der so arge Beschädigungen erlitt.

Der zweite Teil des Vormittags war dem Besuch des nahen Heimatmuseums gewidmet, das ab 1983 in Räumen im Bereich der ehemaligen isenburgischen Zehntscheune sowie der Remise eingerichtet wurde und vom Verein für Geschichte und Heimatkunde Langenselbold e.V. betreut wird. Der Vereinsvorsitzende Dr. Keil führte durch die Ausstellung und erläuterte die umfangreichen Exponate aus Vor- und Frühgeschichte sowie auch aus der jüngeren Vergangenheit. Das Museum befindet sich an geschichtsträchtigem Ort, denn hier wurde im 12. Jahrhundert das Kloster Selbold gegründet, das bis zum 16. Jahrhundert weithin große Bedeutung hatte und dann aufgelöst wurde. Reste von Säulen und Kapitellen der Klostergebäude konnten ebenso bewundert werden wie auch bedeutende regionale Funde aus der Bronzezeit und dem Mittelalter. Ein „Tante-Emma-Laden“, eine Spielzeugsammlung mit sehenswerten Puppenhäusern sowie Werkstätten von Diamantschleifer, Sattler, Schmied, Schuster und Wagner boten Einblick in die Arbeitswelt unserer jüngeren Vergangenheit.

Auch dieser „Besuch beim Nachbarn“ war wiederum eine hervorragende Gelegenheit, sich mit unserer Heimat besser vertraut zu machen. Dabei zeigt sich immer wieder, welche Schätze in unmittelbarer Nähe zu finden sind und ihrer Entdeckung harren. Der Heimat- und Geschichtsverein Wächtersbach wird daher auch künftig die Tradition solcher Ausflüge fortsetzen, zumal es an geeigneten Zielen nicht mangelt.

 
 
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